Hypertonie (Hoher Blutdruck)

Ein erhöhter Blutdruck (Hypertonie) zählt zu den häufigsten chronischen Krankheiten überhaupt. Ca. 10% der Bevölkerung entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Bluthochdruck, der anfangs kaum Beschwerden macht, aber z. B. eine der wichtigsten Ursachen für einen Schlaganfall oder die Entwicklung einer Herzschwäche ist.

Was bedeutet der Blutdruck ?

Ein normaler Blutdruck liegt um 120/80 mm Hg. Der höhere (systolische) Wert kommt zustande, wenn das Herz  gerade schlägt und das Blut in die Adern presst, in der kurzen Ruhe- und Füllungsphase des Herzen herrscht  weiterhin ein Druck im Gefäßsystem, dies ist der zweite, niedrigere (diastolische) Wert. Der Blutdruck wird in mm Quecksilbersäule, abgekürzt mm Hg gemessen.
Die Höhe des Blutdrucks wird vom Körper genau reguliert und hängt von verschiedenen Faktoren ab: Von der Schlagkraft des Herzen, von der Menge des Blutvolumens und vom Querschnitt der Adern. Zahlreiche äußere Einflüsse bewirken eine Änderung des Blutdrucks: so steigt der Blutdruck bei körperlicher oder auch seelischer Belastung, in Ruhe und im Schlaf dagegen fällt der Blutdruck ab.

Wannn ist der Blutdruck erhöht ?

Ein erhöhter Blutdruck liegt vor, wenn einer der beiden Werte bei mehreren Messungen über 140/90 mm Hg liegt.  Das gilt auch für das höhere Lebensalter. Die früher häufig geäußerte Meinung, der Blutdruck dürfe 100 + Lebensalter betragen wird heute nicht mehr für richtig erachtet.

Woher kommt ein erhöhter Blutdruck ?

Nur selten ist eine Blutdruckerhöhung Folge einer anderen Erkrankung (z.B. einer Nierenerkrankungen oder Hormonstörungen), die dann entsprechend behandelt werden muß. Meistens liegt eine sogenannte „essentielle“ Hypertonie vor, also eine Blutdruckerhöhung ohne erkennbare Ursache. Häufig findet sich dann jedoch in der Vorgeschichte bei Angehörigen ein erhöhter Blutdruck oder es liegt z. B. Übergewicht vor, welches den Blutdruck auch in die Höhe treibt.

Welche Beschwerden macht hoher Blutdruck ?

Hoher Blutdruck macht sich anfangs oft nicht bemerkbar. Eher selten wird über Kopfschmerz, Luftnot bei Belastung, Beklemmungen im Brustkorb oder z.B. Nasenbluten geklagt. Daher wird ein erhöhter Blutdruck oft erst bei einer Routinemessung festgestellt. Manchmal bemerkt auch ein Augenarzt aufgrund typischer Veränderungen im Augenhintergrund, dass ein erhöhter Blutdruck vorliegt.

Wie wird ein erhöhter Blutdruck festgestellt?

Wenn bei mehreren Messungen der Blutdruck über 140/90 mm Hg liegt, besteht Hochdruck. Zusätzlich kann eine ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung oder ein Belastungs-EKG wertvolle Information über die Blutdruckregulation bieten.

Welche Folgen hat hoher Blutdruck ?

Hoher Blutdruck führt zur Schädigung der Blutgefäße und damit zur Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Je nachdem, welches Versorgungsgebiet betroffen ist, führt die Arteriosklerose zu Durchblutungsstörungen der Beine („Schaufensterkrankheit“), des Herzens (Herzinfarkt), des Gehirn (Schlaganfall), der Nieren (Nierenschwäche).
Das Herz wird im Laufe der Jahre durch die verstärkte Pumparbeit größer, dies führt zur Ausbildung einer Herzleistungsschwäche und erhöht zudem das Herzinfarktrisiko, da ein zu großes Herz schlechter mit Sauerstoff versorgt wird.

Warum muss der Blutdruck gesenkt werden ?

Um die gerade aufgezeigten Komplikationen zu verhindern, muss der Blutdruck in normale Bereiche gesenkt werden. So führt z.B. die Senkung erhöhter Blutdruckwerte zu einer über 50%igen Verringerung des Schlaganfallrisikos.

Wie kann erhöhter Blutdruck gesenkt werden ?

Zu Beginn und bei nur leicht erhöhten Blutdruckwerten kann zunächst einmal abgewartet werden, ob durch allgemeine Maßnahmen wie regelmäßige körperliche Aktivität, Verringerung der Kochsalzzufuhr und ggfs. Normalisierung des Körpergewichts eine Blutdrucknormalisierung zu erreichen ist.Sollte der Blutdruck weiterhin erhöht sein, muss eine medikamentöse Therapie durchgeführt werden. Hierzu gibt es verschiedene, im allgemeinen gut verträgliche Blutdruckmittel, die in die körpereigene Regulation eingreifen und so eine Normalisierung des Blutdrucks erreichen. Oft wird eine Kombination mehrerer Medikamente erforderlich sein.

Wie hoch sollte der Blutdruck sein?

Das Ziel ist eine Angleichung der Blutdruckwerte an die eines Gesunden, ein Blutdruckwert von 135/85 mm Hg sollte nicht überschritten werden. (Für Diabetiker gilt eine noch strengere Einstellung, hier sollte der Blutdruck 130/80 mm Hg nicht überschreiten.

Wie lange dauert die Behandlung ?

Da es sich bei hohem Blutdruck um eine chronische Erkrankung handelt, ist meist auch eine lebenslange Therapie erforderlich. Allerdings kann man nach einiger Zeit einen ärztlich kontrollierten Auslaßversuch der Medikamente erwägen, insbesondere dann, wenn es zu einer Änderung der Lebensgewohnheiten gekommen ist.

Welche Kontrolluntersuchungen sind nötig ?

Neben Blutdruckkontrollen sind regelmäßige Untersuchungen erforderlich, um Komplikationen des Hochdrucks oder auch Nebenwirkungen der Behandlung frühzeitig erfassen zu können. Dazu gehören: Laboruntersuchungen, Ruhe- und Belastungs-EKG, 24-Stunden-Blutdruckmessung , Ultraschalluntersuchungen des Herzens und der Nieren.

Nicht-medikamentöse Behandlungsmaßnahmen

In vielen Fällen ist zur Senkung erhöhter Blutdruckwerte und des damit verbundenen Herz-Kreislauf-Risikos eine dauerhafte medikamentöse Therapie notwendig. Oft aber stellt sich Unzufriedenheit über eine lebenslange Tabletteneinnahme ein und es taucht die Frage auf, wie kann ich den Blutdruck nicht-medikamentös senken.
Bei nur leichter Blutdruckerhöhung können die folgenden Maßnahmen vielleicht alleine ausreichen, bei familiärer Belastung oder bei grenzwertigen Blutdruckwerten sind sie auf jeden Fall hilfreich.
Auch bei stärkerer Blutdruckerhöhung können Allgemeinmaßnahmen dazu beitragen, dass weniger Medikamente benötigt werden.
Ob die einzelnen Maßnahmen additiv wirken ist nicht genau bekannt, für Kochsalzbeschränkung und Gewichtsnormalisierung sind die positiven Effekte in Studien aber gut untersucht.

Kochsalzbeschränkung

Kochsalz spielt eine wichtige Rolle in der Blutdruckregulation, unsere Ernährung enthält durch industriell gefertigte Lebensmittel immer mehr Salz. Besonders salzreich sind Pökelwaren und Fischmarinaden, aber auch Fleisch und Wurst sowie Fettkäse sind sehr salzhaltig.
Durchschnittlich nimmt der Deutsche täglich 9 – 12 g Kochsalz zu sich, für Hochdruckkranke wird eine Verringerung der täglichen Salzzufuhr auf maximal 5-6 g tgl. empfohlen.
Der Effekt der Kochsalzbeschränkung auf den Blutdruck beträgt eine Senkung von 7/5 mm Hg nach ca. 6 Wochen. Leider tritt dieser Effekt nur bei den ca. 40% „salzempfindlichen“ Menschen auf, aber auch bei den anderen hilft die Kochsalzbeschränkung, weil dann die Medikamente besser ansprechen.
Der Verzicht auf das Salzen beim Kochen oder bei Tisch muss sein, schon nach wenigen Wochen wird das Salz nicht mehr vermisst, dafür stellen sich ganz neue Geschmackserfahrungen ein. Nutzen Sie zum Würzen Kräuter.

Gewichtsreduktion

Bei bestehendem Übergewicht hat eine Verringerung des Gewichts um 10 kg eine Blutdrucksenkung von 7/3 bis 20/10 mm Hg zur Folge. Zudem wirkt sich ein geringeres Körpergewicht günstig auf das Herz-Kreislauf-Risiko und damit auf die Lebenserwartung aus.
Mit welcher Diät dieses Ziel erreicht wird ist unerheblich, entscheidend ist die Verringerung der täglichen Kalorienzufuhr. In Studien zur Gewichtsreduktion war der Besuch von Kursen (Weight-Watchers) im Vergleich zur alleinigen Diät am erfolgreichsten.

Alkohol

Mehr als 40g Alkohol am Tag (das entspricht einem Viertel Wein oder einem halben Liter Bier) geht – individuell unterschiedlich – mit einer Blutdruckerhöhung um bis zu 7/5 mm Hg einher. Weniger Alkohol ist besser für den Blutdruck.

Mehr Bewegung

Schon eine Steigerung von Alltagsaktivitäten (Treppe statt Fahrstuhl, Fahrrad statt Auto, 10000 Schritte am Tag) trägt zur Blutdrucksenkung bei.
Dreimal in der Woche gut 40 Minuten Ausdauertraining kann den Blutdruck um bis zu 10/5 mm Hg senken, vorausgesetzt, der Puls steigt beim Sport auf 180 minus Lebensalter an.
Geeignete Sportarten sind: Gehen, Laufen, Jogging, Heimtrainer, Schwimmen, Golf, Gymnastik, Ski-Langlauf, Radfahren)

Empfehlungen zur Selbstmessung des Blutdruck

Die Selbstmessung des Blutdrucks kann – korrekt durchgeführt – zu einer besseren Behandlung beitragen und spiegelt ihre tatsächlichen Blutdruckwerte oft besser wider als der in der Praxis gemessene Druck. In diesem Informationsblatt geben wir Ihnen Hinweise zur korrekten Durchführung der Blutdruckselbstmessung.

Wie hoch sollte der Blutdruck sein?

Der Blutdruck wird nach der Methode nach Riva-Rocci in Millimeter Quecksilbersäule ( mmHg) gemessen (deswegen steht oft „RR“ vor dem Blutdruck) und sollte normalerweise nicht über systolisch 135 mmHg und/oder diastolisch 85 mmHg  liegen.

Was verändert den Blutdruck?

Körperliche Bewegung, geistige Anspannung oder seelische Erregung, Gespräche, Schmerz, Lärm, Rauchen, Kaffee oder auch nur eine volle Harnblase können zu vorübergehenden Blutdruckerhöhungen führen. Um vergleichbare Werte zu erhalten muss daher der Blutdruck unter immer gleichen Ruhebedingungen gemessen werden.

In der Arztpraxis oder durch medizinisches Fachpersonal wird der Blutdruck durch das Hören der sog. Korotkoff-Geräusche gemessen. Für die Selbstmessung werden meist Geräte verwendet, die den Blutdruck oszillometrisch bestimmen, egal, ob sie am Handgelenk oder am Oberarm messen.

Handgelenk oder Oberarm ?

Generell messen Oberarm - Geräte wesentlich genauer als Handgelenksgeräte. So oder so sollten Sie ihr Gerät einmal in die Sprechstunde mitbringen, damit überprüft werden kann, wie exakt es misst.

Kaufen Sie ein Markengerät, erkennbar am CE-Zeichen. Der Bedienungskomfort der Geräte kann sehr unterschiedlich sein und sollte beim Kauf berücksichtigt werden. Leiden Sie an Herzrhythmusstörungen, z.B. Vorhofflimmern, sprechen Sie vorher mit uns.

Bei sehr starken Oberarmen (oder ggf. Handgelenken) brauchen Sie eine andere Manschettengröße. Die Standardgröße bei Oberarmmanschetten reicht nur bis zu einen Oberarmumfang von 30 cm. Darüber hinaus sind spezielle Manschetten erforderlich.

Durchführung der Selbstmessung

  • Messung immer zur gleichen Zeit
  • Die Messung erfolgt im Sitzen in entspannter Haltung nach einer wenigsten 3-minütigen Ruhephase.
  • Die Manschette muss luftleer sein und wird ca. 2-3 cm oberhalb der Ellenbeuge angelegt
  • Der Unterarm wird entspannt auf eine Tischplatte gelegt. Achten Sie ggf. auf eine Markierung an ihrer Manschette.
  • Notieren Sie die gemessenen Werte, der obere Wert ist des systolische Blutdruck, der untere Wert ist der diastolische Blutdruck, viele Geräte geben außerdem die Pulsfrequenz an.
  • Eine Wiederholungsmessung sollte frühestens nach einer Minute erfolgen.

Bei Handgelenksgeräten ist es besonders wichtig, dass sich die Manschette in Herzhöhe befindet, sonst kommt es zu starken Verfälschungen der Messergebnisse. Achtung: viele Geräte sind nur für die Messung am linken Handgelenk vorgesehen.

Häufige Fehler bei der Blutdruckmessung

  • Zu wenig Ruhe vor dem Messen
  • Sprechen bei der Messung
  • Manschette zu eng oder zu locker
  • Manschette zu klein
  • Ellenbeuge unter Herzhöhe
  • Manschette über der Kleidung
  • Manschette falsch platziert
  • Manschette zu niedrig aufgepumpt
  • Ablaßgeschwindigkeit zu schnell
  • Oberarm oberhalb der Manschette durch enge Kleidung eingeschnürt

Bei korrekter Durchführung wissen Sie, wie gut ihr Blutdruck eingestellt ist. Protokollieren Sie ihre Werte und bringen Sie diese mit in die Sprechstunde. Fragen Sie uns nach einem Heft zum Eintragen ihrer Blutdruckwerte.

 

Zuletzt geändert 18.01.2013
@ Dr. Detlef Bothe